Gerhard Sawatzkys „Wir selbst“

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Gerhard Sawatzkys „Wir selbst“

17 Dezember 2020 um 20:15 - 21:45

ONLINE

Lesung und Diskussion mit Prof. Dr. Carsten Gansel
Moderation: Michael Serrer, Büroleitung des Literaturbüro NRW

Gerhard Sawatzky, in der Südukraine geboren, verbrachte seine Kindheit in Westsibirien und studierte am Leningrader Pädagogischen Herzen-Institut. Danach arbeitete er zuerst als Lehrer, dann als Journalist und Autor im Wolgagebiet, wo er als wichtigster Literat der jüngeren Generation der Wolgadeutschen und Vorkämpfer einer eigenständigen „sowjetdeutschen“ Literatur galt. 1937 vollendete er seinen Roman „Wir selbst“. Noch bevor der Roman, der bereits in Druckvorbereitung war, das Licht der Welt erblickte, wurde Sawatzky Ende 1938 verhaftet und starb Jahre später (1944) im GULag Solikamsk. Das Buch ist nie erschienen. Doch Sawatzkys Witwe Sophie Sawatzky gelang es, bei der Deportation nach Sibirien unter dramatischen Umständen das Urmanuskript zu retten. „Wir selbst“ erzählt von einer untergegangenen Welt, nämlich der Autonomen Sozialistischen
Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (1918-1941). Im häufigen Szenenwechsel zwischen Land und Stadt beschreibt der Roman die entscheidende Wende im Leben der Wolgadeutschen von 1920 bis 1937: Die Auswirkungen der Oktoberrevolution 1917, den Bürgerkrieg, die Etablierung der Sowjetmacht, den offenen und getarnten Klassenkampf, die Kollektivierung und Industrialisierung.

Sawatzkys großer Gesellschaftsroman, der zu Lebzeiten des Autors nie erschienen war und erst 1984-1988 im Almanach „Heimatliche Weiten“ (hrsg. von Hugo Wormsbecher, Moskau – leider bearbeitet und zensiert) veröffentlicht werden konnte, ist das „bedeutendste Werk der sowjetdeutschen Vorkriegsliteratur“ (laut Woldemar Ekkert), das mit dem Leben der Wolgadeutschen in der Zwischenkriegszeit ein untergegangenes Stück Zeitgeschichte darstellt. „Auch wenn Sawatzky schon beim Schreiben die Angst vor stalinistischen Säuberungsaktionen im Nacken saß und er manches unterschlug bzw. beschönigte – sein Buch ist ein höchst
bedeutendes Zeitzeugnis“, ist in der Verlagsvorschau zum Buch nachzulesen. Der Herausgeber Carsten Gansel (geb. 1955, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Mediendidaktik in Gießen) hat die einzigartige Edition mit einem aufschlussreichen Nachwort und dokumentarischem Material zur Wolgadeutschen Autonomen Republik und ihrer Literatur versehen.

Technische Voraussetzungen

Es handelt sich um eine Vortragsveranstaltung im Rahmen eines Online-Seminars mit dem Konferenzprogramm Zoom. Für eine aktive Teilnahme benötigen Sie ein Mikrofon und bestenfalls eine Webcam oder eben ein Smartphone oder Tablet. Die Veranstaltung wird online über unseren Facebook-Channel live übertragen.

Förderung

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Russlanddeutschen Kulturtage 2020 statt. Wir danken dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen für die Förderung.

Anmeldung

Unter diesem Link können Sie sich zur Veranstaltung anmelden: https://zoom.us/meeting/register/tJUldOyuqTgvHtS5rEtTYuUEPEL0gIUpOVnY

Falls Sie keine Fragen und nicht mitdiskutieren möchten, können Sich die Veranstaltung auch live unter https://www.facebook.com/lmdr.nrw/live anschauen.

Details

Datum:
17 Dezember 2020
Zeit:
20:15 - 21:45
Veranstaltungskategorien:
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Website:
https://zoom.us/meeting/register/tJUldOyuqTgvHtS5rEtTYuUEPEL0gIUpOVnY